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Jetzt ganz doll neu!

Stadt unter der Stadt

Was sehr cool ist, obwohl es “nur” Geschäfte beinhaltet, ist folgendes: In Toronto gibt es den PATH, in Montreal den RESO. Beides sind Untergrundnetzwerke, PATH 27km, RESO 32km in der Länge. Das bedeutet, dass man zum shoppen keinen Fuß nach draussen setzen muss.

Allem anschein nach gibt es auch hier mal Regen. Außerdem sind die Winter in Kanada ja schon etwas herber als daheim in Deutschland. So kann man sich einfach in eine U-Bahn setzen, zu der und der Station fahren und dort direkt in die Geschäfte gehen. Falls es einem dort nicht mehr gefallen sollte, kann man seine Reise durch die vielen Verbindungstunnel fortsetzen.

Keine Ahnung, wie voll es im Winter wirklich ist. Ich bin gestern durchgegangen und es war relativ leer. Aber es scheint in den Wintermonaten gut besucht zu sein.

Montreal

Dann bin ich wohl in Montreal angekommen. Die erste Nacht sind wir durch die Pubs gezogen, das hat Laune gemacht. Am nächsten Tag sind wir viel durch die Stadt gelaufen, unter anderem auch auf den Berg, von dem die Stadt ihren Namen hat: Mont Royal.

Man hat eine unglaubliche Aussicht von diesem Berg herunter, wenn man es erst einmal hoch geschafft hat. Doch das lohnte sich schon. Wir sind zwar nicht sonderlich zielstrebig Richtung Berg gelaufen – eigentlich wollten wir nur eben was frühstücken – aber der Marsch durch die Stadt war schon sehenswert. Entlang der Rue Catherine gibt es viele Geschäfte und noch mehr Menschen. Der Finanzdistrikt mit seinen Hochhäusern war auch interessant. Dann kann man die Inseln vor der Stadt nicht unbedingt einfach erreichen, haben wir gemerkt. Da sind zwar Brücken, die dürfen aber nur Autos befahren. Am nächsten Tag wurde ich eines besseren belehrt.

Heuer habe ich mir ein Fahrrad geliehen und bin durch die City gecruist. Bestes Wetter dafür. Und ich habe es zu den Inseln geschafft, bin auf ihnen ein wenig herumgeradelt und dann schließlich auf diese unglaublich große Brücke mit dem Namen Jacques-Cartier gefahren, um zurück zu kommen. Was für ein Ungetüm! Aber die Inseln an sich sind auch schick. Auf dem Weg dahin bin ich am Habitat 67 vorbeigefahren, eine unglaublich häßliche Wohngegend nur aus Beton. Auf den Inseln gibt es die sogenannte Biosphere mit unterschiedlichsten Klimas und einen Formula 1-Kurs, auf dem ich gefahren bin.

Auf dem Weg zu den Inseln ein Blick in die Stadt

Später war ich dann am Olympia-Stadion von Montreal. Auch groß, häßlich, Beton, 70er Jahre. Soweit ich weiß, hat Montreal bis Dezember 2006 an dem über einer Milliarde Dollar teuren Stadion abbezahlt. Und das Ding hat in etwa so eine erfolgreiche Geschichte wie der Space Park. Ach nee, das darf man ja nicht mehr sagen. Die Olympiade hier war Sommer 1976.

Schade ist nur, das diese Radwege teils zu wünschen übrig lassen. Nur ein ganz kleiner Teil von dieser Riesenstadt Montreal ist mit diesem Bike-Track gepflastert, und das hier und da ganz gut, aber dort auch mal gefährlich.

Interessant übrigens, dass den Quebecern der Canadian Day völlig egal ist: Es hat sich eingebürgert, das man an dem Canadian Day umzieht und später eine eigene Feier feiert. Jedes Land braucht wohl so eine Mehrparteienschaft, was?

Montreal ist beeindruckend, ohne Frage. Wenn die Leute hier nun nicht prinzipiell Französisch sprechen würden, dann könnte man glatt hier her ziehen.

Dank an die Leser!

Hey liebe Leser,

als kleines Dankeschön an euch, für eure Kommentare und E-Mails, hab ich mir die Mühe gemacht, für euch ein Bild zu erstellen. Und das ist nicht nur irgendein Bild, sondern ein fettes Panorama. Dazu musste ich zwar etwas Zeit investieren, um ein sehr mächtiges Panorama-Tool namens hugin zu konfigurieren und zu installieren. Aber es hat sich gelohnt. Hier seht ihr das Ergebnis, ein großklickbarer Blick Richtung Westen vom CN Tower in Toronto.

Aussicht vom CN Tower Richtung Westen

Weitere Motive werden in unregelmäßigen Abständen folgen. Mal sehen, was es so zu knipsen gibt.

Gefängnis, die 2te

Es gibt hier in Ottawa die eine oder andere paranormale Tour, zum Beispiel über die (vermeintlichen) Geister in der Stadt.

Und so gibt es auch eine durch das Jail – Hostel.

Als es 1863 eröffnet wurde, galt es als Musteranstalt. 1973 hingegen wurde es mit dem Grund geschlossen, das in diesem Hostel menschenunwürdige Bedingungen herrschten. Was führte hierzu?

Am Anfang wurde, und das ist wirklich hart, jeder mit jedem zusammengesteckt. So wurden Minderjährige mit Schwerstverbrechern (die max. 2 Jahre hatten, aber immerhin!) und Frauen hie und dort kombiniert. Obendrauf gab es noch keine Anstalten für Geistesgestörte, wohin mit denen denn? Richtig, ins Gefängnis.

Im Gefängnis selber gab es für die ganz schlimmen Kerle Zellen, die bald den Namen “Loch” hatten. Vielleicht 1 1/2 Quadratmeter. Der Gefangene wurde ausgezogen, die mental gestörten (oder auch: suizidgefährdeten) wurden so festgekettet, das sie auf dem kalten Boden fixiert waren und dann ging die Tür zu. Kein Licht, kein Geräusch und eine Mahlzeit am Tag, für die der Gefangene 15 Minuten Zeit hatte.

Doch es gab ja noch weitere Zellen. Die sind interessanterweise so gebaut, das man, auch wenn man ganz links steht, es hört, wenn jemand in der Zelle ganz rechts flüstert. Und reden durften die Gefangenen schließlich nicht. Diese Zellen waren etwa 90cm, vielleicht nen Meter beit.

Die Flüsterzellen Nicht viel Platz

Für die etwas besseren, das heißt entweder arbeiteten sie oder hatten nicht so harte Strafen, gab es größere Zellen. Doch das Gefängnis war gut besucht, und bald waren dort auch drei Gefangene untergebracht. Als das Gefängnis eröffnet wurde, gab es noch Holzbettgestelle. Nach einiger Zeit fanden sich dort Würmer, und so mussten die Gefangenen auf dem Boden schlafen. Erst mal nicht so schlimm, nur: Es wurde drei Mal am Tag durchgewischt und am Anfang hatten die Fenster noch kein Glas. Im Sommer also Viecher ohne Ende, im Winter schneite es bis in die Zelle.

Doch wer dadurch nicht hingerafft wurde, starb vielleicht an mangelnder Hygiene. Viele Gefangene duschten, ja wuschen sich manchmal wochenlang nicht. Anders als bei dem Frauentrakt, der später eröffnet wurde. Dort wurde heißes Wasser hochgeschafft, einmal. Die erste Frau verbrannte sich, die letzte badete im Schmodder der anderen. Viele Menschen starben.

Und dann gibt es hier noch die sogenannte “Death Row”, in der sich alle zum Tode verurteilten aufhielten. Insgesamt vier Zellen. Es gab drei Hinrichtungen. Diese Hinrichtungen waren teilweise öffentlich, so kamen zu einer über 5000 Menschen, um den Mann hängen zu sehen. Er starb nicht durch Genickbruch, sondern er erstickte.

Der Strick

Man sagt, sein Geist spuke noch immer durch dieses Gemäuer. Manchmal bekämen Besucher plötzlich Nasenbluten.

Ich habe diese Nacht nicht so gut geschlafen.

Willkommen im Knast!

Nun bin ich im Knast. Tja, dumm gelaufen.

Ein Blick auf meine Zellentuer

Wie kam’s?

Also, ich hab einen Platz zum schlafen gebraucht. Und die ersten Tage war ich per CouchSurfing unterwegs, dann in einem kleinen Hostel. Und nun im Knast. In einer Zelle. Stockwerk 6, Zelle 3.

Aber so schlimm ist das alles gar nicht. Mein Knast ist naemlich ein Hostel. Das HI Jail Hostel in Ottawa. Und ich mach hier halt nur Bubu. In nem alten Knast. Beklemmend, irgendwie.

Mahlzeit!

Hab heute ein typisch Ostkanadisches Gericht gegessen: Poutine. Pommes mit Käsebrocken darauf, und darüber wird heiße Bratensoße gegossen. Laut Wikipedia sogar bei den Fastfoodketten erhältlich. Deftig, das. Und sieht auch etwas merkwürdig aus. Aber auch ganz lecker. Und was ich schade finde, ist, dass es hier zwar Nutella, aber keine Brötchen oder gar Fischbrötchen gibt. Dabei ist hier doch ein Fluss! Und wo ein Fluss ist, da sind doch auch Fischbrötchen!

Ah, was mich noch immer vollkommen verrückt macht, sind Steuern und Tipping. Steuern werden immer erst beim Kauf aufgeschlagen (das Geld war abgezählt – verdammt!) und Tipping ist generell erst mal 15%, wenn man zufrieden ist, mehr. Puh! Und ich wette, wenn ich mich daran gewöhnt habe, reise ich ab.

C’est ça!

Also, bin ich jetzt in Ottawa angekommen. Bisschen wie Bremen, auch mit Fluss und allem. Ich hab schon die eine oder andere Stunde im Park gesessen. Sicher gibt es hier auch Hochhäuser, nur gibt es auch viel Geschichte und viele Paraden hier, das ist wirklich etwas netter als Toronto. Sogar original britische Soldaten.

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Lustig irgendwie, da Ottawa direkt durch den Fluß Ottawa getrennt wird. Auf der einen Seite der englischsprachige Teil in der Provinz Ontario, auf der anderen der französischsprachige Teil in der Provinz Quebec. Die Straßennamen werden sofort französisch und, tja, es sieht ein wenig anders aus. Die meisten Bewohner hier sind bilingual. Getrennt durch den Fluß, zwei Provinzen und trotzdem eine Stadt. Lustig, irgendwie.

Das Verkehrssystem in Ontario

Also, das ist hier zwar nicht so viel anders, aber einige signifikante Unterschiede gibt es schon. So haben die Fußgängerampeln hier eine Uhr, die herunter zählt (in Sekunden). Außerdem dürfen Autofahrer, natürlich unter Berücksichtigung der Verkehrssituation, an jeder Ampel jederzeit rechts abbiegen. Gut, kennt man aus Deutschland.

Was dagegen auffällt, ist, dass hier weniger Markierungen auf der Straße sind und man eigentlich nur grob weiss, auf welcher Spur man ist. Die Straßenbahnen haben auch Rot-Gelb-Grün – Ampeln (und keine eigenen), was einen vollkommen durcheinander bringen kann. Naja, und wer wirklich gefährlich lebt, dass sind die Radfahrer. Anscheinend gibt es hier in der Innenstadt von Toronto nicht einen einzigen Radweg und die Radler müssen die Straßen mitbenutzen. Sehr viele tragen hier einen Helm, und das sicher nicht, weil es das Gesetz vorsieht.

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Eine Sache, die mir wirklich gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Ampeln auf der anderen Straßenseite stehen. Nicht nur, dass man sie dann viel besser sehen kann, nein, etwas anderes ist wirklich toll: Bei der Gelbphase gibt man kein Gas mehr (so wie man es in Deutschland tut), sondern bremst wirklich. Weil andernfalls stünde man mitten auf der Kreuzung, wenn es Rot wird. Und einige Kreuzungen sind wirklich groß. Also hat diese Entfernung den Effekt, dass die Kreuzung wirklich frei bleibt. Größtenteils.

Auf dem CN Tower

Ui ist das hoch da! Aber der Wahnsinn. Allein der Fahrstuhl bietet schon Einblicke in die zu erwartende Perspektive, aber wenn man dann oben ist, bleibt einem die Spucke weg. Unglaublich.

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Der CN Tower ist mit 553 Meter das hoechste Gebaeude der Welt. Es gibt eine Aussichtsplattform mit drehendem Restaurant auf 345 Metern Hoehe und eine weitere, Skypod genannte Plattform in sage und schreibe 447 Metern Hoehe. Allein der Ausblick auf Toronto ist wirklich unglaublich. Ich hab alle Orte wiedererkannt, die ich hier schon kennengelernt habe. So zum Beispiel meine beiden Hostels, das Baseballstadium, das Bankenviertel, die Casa Loma… man musste zwar ziemlich lange warten (etwa ne Stunde), aber das war es wirklich wert.

Niagara Falls

Somit war ich auch bei den voellig auf Tourismus eingestellten Niagara-Faellen. Man kann mit dem Boot Maid of the Mist fahren, Helikopter buchen ($95 / 12 Min), oder sich oben auf dieser Little Las Vegas – Strasse aufhalten. Ausserdem gibt es wirklich viele Sehenswuerdigkeiten und eine Besonderheit in der Region:

Es gibt keine Steuern. Alles, was an Infrastruktur bezahlt werden muss, wird ueber den Tourismus bezahlt. Und der ist ganz sicher vorhanden, auf kanadischer wie auf amerikanischer Seite. Trotz allem ist es aber ein tolles Gefuehl, vor so grossen Wasserfaellen auf einem Schiff zu sein und bei Sonnenschein das Gefuehl zu haben, dass es regnet. Weil die Gischt so discht… ah… dicht ist.