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Jetzt ganz doll neu!

Jubiläum – ein Jahr unterwegs

Bild von mir

Ja, tatsächlich, nun bin ich ein Jahr unterwegs. Schon Wahnsinn.

Reisedauer

Ursprünglich war die komplette Reise auf ein Jahr angelegt. Ich wollte mir Kanada anschauen, dort vielleicht ein wenig arbeiten. Dann in die Staaten, dort San Francisco gucken. Und dann nach Australien – Perth war die Idee – , um dann über Singapur wieder zurück nach Deutschland zu fliegen.

Soweit der Plan.

Reisepower

Ein wenig davon abgekommen bin ich, als ich nach Mexiko ging – 4 1/2 Monate. Ups! Und die Geschichte dazu ist auch ganz interessant:

Eines Abends saß ich im Hostel an der Granville Street in Vancouver, mir nicht sicher, ob ich wirklich in Kanada arbeiten wollte. Der Travelbug hatte mich gebissen und ich wollte mehr sehen von der Welt. Und da surfte ich durch Zufall auf einen Artikel beim Spiegel: Der Tag der Toten in Mexiko. In drei Tagen.

Da fasste ich den Entschluss, mir ein Ticket zu kaufen und mich mit meinem bisschen Schulspanisch durchzuschlagen. Und in eine Sprachschule zu gehen. Hätte ich früher nicht Lucasarts’ Grim Fandango (ein wirklich gutes Adventure-Game!) gezockt, ich hätte keinen Plan gehabt, was der Tag der Toten ist und hätte weiter gesurft. Ich sag ja, Games sind nicht zu unterschätzen!

Reisehauer

Ja, und dann war ich in Mexiko und schlug mich so durch. Doch bald war auch diese Zeit vorbei und dann dachte ich mir, ach, wenn man schon mal da ist, kann man sich auch noch etwas mehr anschauen. Also machte ich mich in einem Monat auf dem Weg durch Belize, Honduras, Guatemala, durch Mexiko nach Kuba. Ui, das war wirklich ein herrlich anstrengender Monat. Zumal ich in Guatemala beinahe ohne Geld dagesessen hätte: Anscheinend mögen die Geldautomaten dort keine Kreditkarten. Aber mein Notgroschen half mir durch die Zeit und dann war auch schon die Woche um in Kuba.

Und ich ging auf meinen 36-Stunden – Flugmarathon nach San Francisco. Mann, war ich froh, als ich dort war. Die Staaten waren Anfangs etwas… wie man sich das so vorstellt, aber nach einer Weile habe ich das Land auf seine eigene Weise schätzen gelernt. Und das hat mir eines gezeigt: Ich hab mich manchmal über Länder geäußert und darüber meine Meinung abgelassen – aber erst, wenn man mal dort war, weiß man so richtig, was abgeht. Hüstel.

Nachschlag

Und dann war ich wieder in Vancouver, völlig platt von viel zu vielem Reisen in viel zu kurzer Zeit. Die perfekte Zeit also, um sich auf Jobsuche zu begeben. Das klappte schließlich, Tim Hortons war einen Monat lang mein Arbeitgeber. Aber auch nicht länger. Tja, dann gab es noch ein paar Tage Sonne in Vancouver und schließlich landete ich in Melbourne!

Weggefährte

Was mich im Nachhinein ein wenig erstaunt, ist, dass ich den Blog ziemlich up-to-date gehalten habe. Na, aber ich hab den Blog auch immer als mein kleines Tagebuch gesehen, in dem ich später noch ein wenig herumblättern kann und mich erfreuen. Und somit wird hier wohl immer wieder Neues erscheinen, um von meinen Reisen und den Geschichten zu erzählen…

Nachtrag Eigentlich sollte dieser Beitrag genau am 08.08. erscheinen, aber WordPress und ich haben manchmal noch so unsere Kommunikationsschwierigkeiten…

SchweineGrippePanikMache

Sicherlich habt ihr alle die Berichte über die sogenannte Schweinegrippe, A/H1N1, mitbekommen. Mexiko Stadt wird komplett abgeschaltet und die gesamte Welt soll bitte Angst vor dem Virus haben. Die Reisenden, mit denen ich mich hier in Vancouver unterhalten habe, sind völlig verängstigt und wussten von panischen Eltern zu berichten.

Haben wir das nicht schon einmal gehabt? Vogelgrippe? BSE? Irgendwas findet sich doch immer, um es schön dicke durch den Medien-Fleischwolf zu pressen. Denn eines sollte nicht vergessen werden: Zeitungen und Zeitschriften sind auch nur ein Geschäft. Und Geschäft macht man, in dem man möglichst viele Waren verkauft. Der SpiegelBlog schreibt, dass kritische Anmerkungen zu Roche oder anderen großen Medizinkonzernen fehlen – und findet sie im schweizerischen Tagesanzeiger.

Überhaupt scheinen die großen Medien ohne große Hintergrundchecks bloß auf diese Kampagne aufzuspringen – is’ ja eh alles in einem anderen Land. Und das die Grippe gar nicht das Ende aller Tage zu sein scheint, kümmert keinen. Denn letztendlich ist und bleibt diese Grippe eben dies – eine Grippe. Im Winter 05/06 starben 12.000-15.000 Menschen an der Grippe, im Winter davor um die 2.000, sagt das Robert-Koch-Institut in Deutschland. Es meldet auch die neuesten Einstufungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) – aber auch, dass in Deutschland nur vereinzelt Fälle aufgetreten sind.

Ich denke, die Menschheit wird diese Grippe überleben. Gerade so. Zwei oder drei Überlebende. Hoffentlich nicht eines Geschlechtes…

We’re all living in America…

…wie Rammstein es mal so treffen in einem Song zum Ausdruck gebracht hat.

Mir ist immer noch ein Rätsel, wie die Vereinigten Staaten von Amerika so großen Einfluss auf die Welt nehmen kann. Eine kritische Analyse.

Double it, please

In den Staaten ist erst einmal alles GROSS. Menüs, Autos, das Konsumverhalten, der Bauchumfang vieler Ami’s… Nur wenn man sich den größten Becher zu seinem Menü holt (1 Liter ca.), dann hat man freie Refills. Will sagen, nicht nur, dass man schon die weltweit größte Menge an Zuckerwasser zu sich nehmen kann, nein, man kann auch noch so oft nachfüllen, wie man möchte. Mehr bitte!

In den Städten ist die Navigation relativ einfach – alles ist nach dem Kastenprinzip aufgebaut. Zwei Blöcke nach rechts, drei nach links, schon biste da. Man trifft sich an der Ecke von J und 13te, und nicht beim Inkoop hinten an der Ecke. Warum finde ich das so spannend? An jeder Kreuzung in der Innenstadt gibt es eine Ampel. Also. 300 Meter fahren, warten. 300 Meter… na, ihr habt es wohl schon begriffen.

Dann die Medien. Unglaublich, aber wahr – viele Amerikaner waren der vollen Überzeugung, dass der Irak-Krieg nötig war. Kein Wunder, weiß ich jetzt: Der Großteil der Medien, die Magazine und Zeitungen haben mitgeeifert. Eine Regierungsstelle hat es zudem untersagt, Bilder von toten Soldaten an die Medien zu geben. Somit ging also jeder Soldat frohgemut in Richtung Irak und ohne Beine wieder zurück – huch, da sterben ja Menschen! Die meisten Ami’s nutzen die Glotze als täglich’ Quell der Information. Und wo bei uns am ersten Tag der Bekanntgabe der Staaten, in den Irak zu gehen, die komplette Medienlandschaft verrückt gespielt hat, war hier alles prima. Nun langsam kommt das böse Erwachen, und selbst Fox, ein ultrakonservativer, sehr großer Sender, ist nun etwas kritischer mit dem Krieg. Aber nicht all zu kritisch. Muss ja nicht sein.

Maßeinheiten. Selbst die Ami’s schütteln den Kopf über ihre Überzeugung, Pfund und Meilen beizubehalten. Sicherlich gibt einem das aus der einen Sicht ein elitäres Gefühl – guck, was wir haben und kein anderer. Dabei vergessen sie aber, das ihre Nachbarn metrisch sind (Kanada und Mexiko) und eigentlich ganz Europa. Aber warum ändern, was gut funktioniert? Gleiches gilt auch für das Uhrzeitsystem – AM und PM treiben mich noch irgendwann in den Wahnsinn. Ich werde irgendwann noch einmal einen Flug verpassen, weil ich um Mitternacht ankomme und nicht Mittags.

Dann das Reiseverhalten. Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde es klasse, wenn Menschen reisen. Aber stellt euch mal vor, jemand würde zu euch kommen und sagen: Stell dir vor, bin ich schon weit rumgekommen! Ich war in ganz – Deutschland! Roadtrips sind hier ziemlich angesagt, aber letztendlich bleibt man doch im gleichen Land. Burger, Autos und Mentalität ist mitunter die gleiche hier. Ist ja schließlich immer noch das gleiche Land.

Und zu guter Letzt der Nationalstolz. Klar, ist ein krasser Gegensatz zu Deutschland. Aber ebenso ist es ein krasser Gegensatz zu Kanada oder Mexiko. Auch die Bewohner dieser Länder mögen ihre Heimat. Nur, und das ist erfrischend, wissen sie auch um die nicht so gut funktionierenden Teile. Hier, und das scheint Teil des Patriotismus zu sein, ist man Stolz, aber bitte ohne Kritik.

Wobei ich die letzte Aussage halbwegs selber wiederlegen kann, denn einige der Ami’s, mit denen ich mich unterhalten habe, sind noch viel schlimmere Kritiker dieses großen, etwas zu selbstverliebten Lande. Nur weil Millionen kaufkräftiger Menschen hier leben, muss man sich noch lange nicht vor anderen Einflüssen verschließen unter dem Deckmantel des Patriotismus.

Das trifft bei weitem nicht auf alle Ami’s zu. Hirni’s gibts überall. Aber dennoch ist die Anzahl derer, die so denken, bemerkenswert hoch. Und wer’s nicht glaubt, dem kann ich Borat empfehlen.

So. Das musste mal gesagt werden.