Jo, also lange bin ich wieder im Lande, zumindest lange für mich. Fast fünf Monate an einem Ort und die Aussicht auf weitere weißmannichtzig ist schon interessant. Doch nach dieser Zeit merkt man auch, was andere Länder so anders machen oder wo Deutschland schon so ein wenig hervorsticht.

Umwelttechnik

Die Entsorgung oder allgemein das Bewusstsein über die eigenen Auswirkung auf die Umwelt erscheinen mir hierzulande ziemlich hoch vom Level. In Australien oder Kanada beispielsweise geht es nun auch langsam los mit Papierrecycling (das scheint eher jung und unbekannt zu sein) und auch Biotonnen habe ich schon gesehen, aber weit anerkannt ist das noch nicht. Zumal Australien mit seinen Dürreproblemen zu kämpfen hat und es große Imagekampagnen dazu gibt, wie man am besten Wasser sparen sollte. Weil sie nicht so viel davon haben. Wann andere Länder da wohl mit einsteigen müssen, wenn Ressourcen knapper und knapper werden…

Auch der Hausbau ist gediegen. In Kanada herrscht noch sehr oft die alte Holzbauweise vor, die teilweise einfach gar nicht isoliert ist. Und was ich wirklich erstaunlich fand, ist die Tatsache, das doppelwandige Fenster in normalen Wohnhäusern in Kanada und speziell in Australien gar nicht zu finden waren. Klar, vereinzelt schon, aber wo wir uns fast schon Energieindexaufkleber auf die Häuser kleben, pfeift es dort hinten und vorne. Sicher gibt es immer Ausnahmen, aber mir geht es hier eher um die Tendenz der Masse. Wahnsinn, und da halten wir sogar Wärmebildkameras auf die Gebäude hier. Sicherlich wird es ziemlich warm in Australien, jedoch nachts auch mal kalt und heizen bringt bei einem einwandigen Fenster einfach mal nix.

Da kann ich mich gleich an die Straße stellen mit meinem Heißlüfter.

Wasserwerfer

Was ich in Deutschland vermisse und in anderen Ländern toll fand, sind öffentlich verfügbare Wasserspender. Zum Beispiel in Parks, an Touristenorten oder an Flughäfen gibt es sie – die Wasserspender. Man drückt einen Knopf und das Wasser kommt hochgeschossen. Oder habe ich die hier einfach noch nicht entdeckt? Dazu kommt, das man in Kanada zum Beispiel immer ein Wasser ordern kann, dass man nicht bezahlen muss. Also Leitungswasser quasi. In Deutschland ist das fast eine seltsame Bestellung, weil viele lieber Tafelwasser haben möchten. Das Tafelwasser nicht wirklich sauberer oder besser sein muss als Wasser aus dem Hahn, das ist eine andere Story…

Fontäne in Ottawa

Fontäne in Ottawa

Schwarze Balken

Als ich in Mexiko Spanisch gelernt habe, sind wir in Cuernavaca auf den Markt gegangen. Als wir in der halblegalen DVD – Abteilung angekommen waren, hatte jemand einen Fernseher mit einem Film in den Gang gestellt, wo sich gerade eine Frau oben ohne räkelte. Die US-Amerikanerin, die mit uns unterwegs war, schaute baff auf das Gerät. Auf die Frage, warum, antwortete sie nur: „There is no bar!„. Muss man sich mal reinziehen. Die Gute hat noch nie mitbekommen, das nur in den Staaten schwarze Balken in Fernsehgeräten herumschweben. Naja, aber hier gibts ja auch kein Nippelgate. Wir Deutschen scherzen eher über eine nackte Brust bei der Tagesschau (bei der das wahrscheinlich auch nie passiert) oder whatsoever und bei den US-Amis geht da schon gut die Hutschnur hoch.

Dabei muss man aber auch beachten, dass wir hierzulande auch recht unverklemmt sind. Wenn ich mir anschaue, wie die Leute in Australien nach dem Schwimmen versuchen, sich möglichst so zu duschen, das man gar nie nackt zu sehen ist (und sich dabei gut einen abbrechen), finde ich die offenen Mentalität von Deutschland schon gut. Auch Formate wie „Wahre Liebe“ oder ähnliches (vielleicht auch Domian) sind im US-amerikanischen Fernsehen undenkbar. Und ich denke, auch in Kanada ist das so. Leider kann ich da zu Mexiko nichts sagen, weil das Land so völlig anders war…

rad != pi

Europa ist ein Fahrradparadies. Wobei, dass muss ich korrigieren, Deutschland, Polen und Holland sind Fahrradparadiese, alles andere ist zu lange her oder ich habe es noch nicht gesehen. Wir haben Fahrradrouten, Europarouten, Stadtrouten, und vor allem: Es gibt extra Fahrradwege! In Vancouver gibt es zwar einen Straßenabschnitt, der für Fahrräder quasi freigegeben ist – aber so richtig integriert wie hierzulande ist das nicht.

Mexiko spart sich das Fahrradfahren ganz, in den Staaten gibt es das wohl schon mal (wie zum Beispiel in Portland) und in Australien gibt es sehr viele Unfälle mit Fahrradfahrern, die manchmal sogar eine eigene Spur haben. Aber nicht wirklich traumhaft. Mir als leidenschaftlichen Fahrradfahrer tat das schon weh.

Afterwork

Im Nachhinein lässt sich schon sagen, das es Dinge an Deutschland gibt, die ich gut finde. Zwar möchte ich jetzt das europäische Umland erkunden und dann nochmal sehen, was ich wie finde. Aber die „neuen“ Länder sind noch genau das, neu. Und können hier und da noch etwas ändern. Wie Deutschland selber aber auch.

Das klang nach einem sehr politischen Schlusswort, war aber einfach nur auf unsere Infrastrukturen und die Mentalitäten gemünzt.

Nachtrag

Eine Sache habe ich vergessen: Man sieht sie in Deutschland kaum, aber sonst gab es sie fast an jeder Ecke: 7-11.

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