Freitag Nachmittag, auf dem Weg zu der Ciudad de Mexico:

Ich muss mir einen Bus heranrufen. Die Busse sind ziemlich alte Minivans, die Fahrer meist nicht sehr gesprächig. Für 4.50 Pesos (etwa 30 Eurocent) fahre ich also zur Busstation von Pullmann de Morelos, welche im Stadtzentrum liegt. Die Mexikaner scheinen nicht sehr oft Reisende mit großen Rucksäcken zu sehen.

Ich ernte viele erstaunte Blicke. Das spannende am Busfahren ist, dass es keinen offiziellen Fahrplan gibt, geschweige denn Haltestellenfahrpläne oder gar Abfahrtszeiten. So fragt man sich also durch. Das macht man hier immer: Sich durchfragen.

Verstanden

In der Busstation wende ich meine erworbenen Spanischkenntnisse an und versuche zu verstehen, was die Dame mir ziemlich schnell antwortet. Mein beliebtester Satz dieser Tage ist: „Lo siento, pero no comprendo. Repite, por favor, un poco despacio.“ (Entschuldigung, aber ich verstehe nicht. Bitte wiederholen Sie es ein wenig langsamer). Doch zumeist verstehe ich so viel, als dass ich zumindest sicher sein kann, dass zu bekommen, was ich auch möchte.

Die Busfahrt selber kostet 70 Pesos (etwa 4 Euro) für 1 1/2 Stunden. Es läuft ein Film, zumeist auf Spanisch, und ich schaue mir die Umgebung an und entspanne ein wenig. Das makabere ist, das viele Mexikaner hier von eben 70 Pesos pro Tag leben. Stundenlohn gibt es nicht, und geregelte Arbeitszeiten sind ebenso nicht sonderlich beliebt.

Am Busbahnhof in Mexiko Stadt gehe ich durch eine lächerlich hohe Anzahl von Menschen, die in alle Himmelsrichtungen reisen möchten. Busreisen sind in Mexico sehr populär, Züge gibt es kaum bis gar nicht und Fliegen ist zu teuer. Auf dem Weg zur Metro, die U-Bahn, gehe ich durch einen der vielen Märkte am Strassenrand von Mexico. Ich kaufe mir einen Schokoriegel für 10 Pesos. Für mich 50 Eurocent, aber für den Händler ein ziemlicher Gewinn.

Komprimiert

In der Metro gibt es bei besonders vollen Tagen – und das ist eigentlich jeder Tag – eigene Waggons für Frauen. Die Bahn ist nämlich so voll, dass man keine Ahnung hat, welche Hand von wo kommen mag. Und genau das bekomme ich auch zu spüren, gottseidank ohne Handkontakt. Die Züge kommen alle paar Minuten und trotzdem ist es wirklich unglaublich voll.

Doch schließlich erreiche ich meine Station und steige in einen dieser nicht sehr vertrauenserweckenden Busse. Ich habe mich trotzdem an die Busse gewöhnt. Dann frage ich den Fahrer, ob er mir denn meine Haltestelle nennen könne. Er kann.

Und auf in das Getümmel des Verkehres in Mexico. Es gibt kaum Schilder auf den Strassen, aber die wären auch egal, weil sie ignoriert würden von den Mexikanern. So fahren wir durch die Straßen und haben zwei Beinaheunfälle. Meiner Meinung nach haben uns die Schilder in Deutschland das eigenständige Denken vollkommen abgewöhnt.

Die Strassen hier sind nicht wirklich ausgeleuchtet, voller Schlaglöcher und Geschwindigkeitshuckel, und trotzdem kommen die Mexikaner mit ihren wahrlich alten Autos ans Ziel. Die Huckel sind genauso schwarz wie die Nacht, es gibt keine Schilder oder reflektierende Elemente. Möchte nicht wissen, wie viele Mexikaner ihren Achsen hier schon gute Nacht gesagt haben.

Eben dies tat auch ich, schlafen, um mich auf den Samstag vorzubereiten.

1 Comment Ein ganz normales Wochenende in Mexico Stadt, Freitag

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